Erben – und erben lassen

Es sind nun die ersten Wochen seit dem Ableben meiner Mutter vergangen, und ich habe genug Abstand gewonnen, um hier einige Dinge nieder zu schreiben. Vielleicht hilft es anderen. 

Das Thema Tod ist weder für Betroffene noch Hinterbliebene angenehm. Gehen muss diesen Weg aber früher oder später jeder und jede von uns! Daran führt kein Weg vorbei.

Es gibt aber einige Sachen, die man für den Fall der Fälle vorbereiten kann, damit die Hinterbliebenen nicht aus voller Fahrt gegen die Wand rennen! Das ist nämlich einfacher als viele zunächst glauben!

Ist der Fall eingetreten kämpfen Hinterbliebene zuerst mal mit dem Schock des Ereignisses, und gleich darauf mit der Bürokratie.
Ihr glaubt ja gar nicht was da alles auf einen zukommt!

Binnen relativ kurzer Zeit sind alle Verträge und Verbindlichkeiten zu sichten, und die Gesellschaften dahinter zu verständigen. Bis ihr die Sterbeurkunde vom Bestatter bekommt vergehen ein paar Tage. Trotzdem solltet ihr nicht warten, sondern handeln.

Dazu ist es sinnvoll, sich bereits zu Lebzeiten mit dem Thema auseinander zu setzen und sich mit dem „Bestand“ vertraut zu machen. Wenn ihr wisst, was eure Angehörigen an Versicherungen haben, wo welches Bankkonto ist etc. ist es am Tag X entschieden leichter, das Notwendige zu veranlassen als wenn man erst mal alle Akten durchsuchen muss. Die Dokumente dazu könnt ihr immer noch nachreichen. Bedarfsweise melden sich die Gesellschaften auch bei euch, sobald sie Wind von der Sache bekommen haben.

Wichtig! Falls nicht ohnehin schon geschehen, sorgt dafür dass jemand rechtzeitig eine Vollmacht über den Tod hinaus für das oder die Bankkonten hat! Man kann diese durchaus so abfassen, dass sie erst mit dem Eintritt zu wirken beginnt, falls da Bedenken bestehen. Hat man hier aber nichts, steht man bei der Bank vor verschlossener Tür und kann an keinen Cent mehr ran! Gibt es in einer Familie nur dieses Bankkonto für alles und alle und nur der oder die Verstorbene, der bzw. die es angelegt hatte, hat Zugriff darauf (kommt öfter vor als man denkt!) seid ihr in dem Moment faktisch bankrott!
Die Banken werden ggf. einen Erbschein verlangen, der vor dem Nachlassgericht beim Amtsgericht zu beantragen ist (relativ viel Geld kostet) und Wochen braucht! Einen Erbschein braucht ihr übrigens auch, wenn ein Haus Erbsache ist und das Grundbuch geändert werden muss.

Kosten? Nun ja, kaum jemand rechnet damit, dass es sehr teuer werden kann – und wird! Sterbegeldversicherungen sind hier durchaus eine sinnvolle Sache, wenn es Angehörige gibt, die man vor dem Risiko der Kosten schützen will.
Eine durchschnittliche Beerdigung kostet mindestens etwa 2000 Euro alleine für Bestatter und Bestattung. Je nach gewähltem Sarg sind da nach oben keine Grenzen gesetzt.
Das Krematorium geht ggf. extra. Hinzu kommen – je nachdem – mindestens nochmal dasselbe seitens der Stadt für die Nutzung von Trauerhalle und Grab. Die Mietzeit beträgt in der Regel 25 Jahre.

Hebt euch alle Rechnungen gut auf. Beerdigungskosten sind zumeist absetzbare Sonderausgaben. Die betreffen nicht nur eure eigene Steuererklärung, auch für den/die Tote/n ist eine fällig. Die Letzte.

Das Ortsgericht wird euch einen Erhebungsbogen zusenden, in dem ihr alles angeben müsst, was bezüglich des Nachlasses an Wert vorhanden ist. Wichtig bei Immobilien ist der Brandversicherungswert auf der Basis von 1914. Fragt mich nicht warum, aber daraus errechnet sich der Zeitwert.

Aus dieser Erhebung und anderen Daten ergibt sich unter anderem, ob und wieviel ihr an Erbschaftssteuer berappen müsst.
Es gibt Freibeträge, lasst euch rechtzeitig beraten!

Was eventuell noch ratsam sein könnte?
Ein Testament!

Auch wenn es „nichts“ zu vermachen gibt erleichtert ein vorhandenes ordnungsgemäß gefertigtes und hinterlegtes Testament nach dem Eintritt des Ablebens für die Hinterbliebenen doch erheblich mehr, als man zunächst denkt.
Es regelt zweifelsfrei den letzten Willen des oder der Verstorbenen!

Existiert kein Testament werden die Behörden erst mal genüsslich damit beginnen, diesen vermuteten letzten Willen zu ergründen, und ihr wartet!

Ich werde diesen Artikel bei Bedarf und Veranlassung fortsetzen und in unregelmäßigen Zeitabständen ergänzen.