GGEW Grand Prix Bensheim

Aus gegebenem Anlass möchte ich alle an diesem Rennen interessierten auf einen Wunsch des Veranstalters hinweisen. 

Dieser schreibt auf der Webseite zur Veranstaltung folgendes (Zitat):

„Wichtiger Hinweis-
für ALLE Personen die Bildmaterial erstellen (egal ob privat Person oder Fotograf)
ein Teil der Strecke des GGEW Grand Prix Cross in Bensheim am 05.12.2015 führt, im Bereich des Festplatzes, direkt am Flüchtlingslager vorbei. Hier sind 600 Flüchtlinge untergebracht. In der Anlage finden Sie einen Streckenplan. Hier ist das Zeltlager der Flüchtlinge eingezeichnet. Im Bereich des Lärmschutzwals ( roter Kreis) soll in Richtung des Flüchtlingslagers nicht fotografiert werden. Das betrifft also nur ein ganz kleiner Bereich der Strecke.
Wir bitten hier nochmal um Verständnis. Ihre Pressearbeit ist hierdurch nicht wesentlich eingeschränkt und wir hoffen auf zahlreiches Erscheinen.
Danke für Eure Kooperation
SSG Bensheim“

Ich werde mich im Fall meines Besuchs dort gerne danach richten, verweise allerdings auch auf einige Zirkelschlüsse in dieser Ansage, und werde im folgenden anhand einiger Archivaufnahmen aus den Vorjahren zeigen, worum es sich meiner Meinung nach dreht. Es ist nämlich nicht so trivial wie man glaubt.

Dabei lege ich Wert auf die Feststellung, dass das Flüchtlingslager bzw die Flüchtlinge dabei keinerlei Rolle spielen. Es könnte auch etwas anderes dort stehen, das nicht abgebildet werden soll, egal warum. Für das aufzuzeigende Problem genügt es, anzunehmen, dass dort ein „Objekt X“ steht, das man nicht auf Bildern wiederfinden soll! Ich werde es darum im weiteren so nennen.
Für Aufnahmen mit Personen als Beiwerk, die also nicht das Motiv sind, gelten ohnehin die gesetzlichen Regelungen.

Im genannten Link findet man eine Karte, auf der die problematische Stelle eingezeichnet ist. Bei genauerer Betrachtung bleibt es aber nicht bei dieser „kleinen Stelle“. Faktisch betroffen ist letztendlich erheblich mehr.

Schauen wir uns nun einmal beispielhaft ein paar Bilder an.

GGEW Grand Prix
Bild 1

Bild 1 ist letztes Jahr an der dort markierten Stelle entstanden. Es zeigt den Rasenplatz in der Mitte der Karte als Hintergrund. Wendet man sich nur 45° weiter, so dass man nicht nach Nordost, sondern nach Osten fotografiert, hätte man das „Objekt“ im Hintergrund, was nach obigem Zitat verboten ist. Alle Motive in diesem Bereich sind also potentiell riskant!

Bild 2
Bild 2

Vorstehende Übersichtsaufnahme (Bild 2) aus 2012 wäre dieses Jahr nicht mehr möglich.

GGEW Grand-Prix Bensheim
Bild 3

Bild 3 wäre nach dem jetzigen Stand auch nicht mehr möglich. Jeder kann sich denken, was auf der anderen Seite des Zauns möglicherweise zu sehen ist.

Bild 4
Bild 4

Wirklich heikel wird es aber wohl bei diesem Motiv (Bild 4).
Es wurde von dem Hügel am anderen Ende der Rennstrecke weit ausserhalb des genannten Bereichs aufgenommen. Würde man etwas Ähnliches aber von der anderen Seite der Rennstrecke  (etwa von dort wo man im Bild rechts die Büsche sieht) machen und dabei eventuell den Bildwinkel geringfügig weiter fassen hätte man im Hintergrund was? Genau – „Objekt X“! Zwar recht weit entfernt, aber wohl deutlich als solches zu erkennen. Bitte unterschätzt nicht die raumraffende Wirkung von Telebrennweiten!

Wenn man es damit genau nimmt fallen ebenfalls die beiden Depots für fotografische Zwecke aus, weil man je nach Standortwahl auch von dort das Objekt im Blick hat; unter ungünstigen Umständen betrifft es fast alles südlich der Start- und Zielgeraden und teilweise auch den Anstieg am Ende der Startgeraden! Dort wurde Bild 4 nämlich aufgenommen.

Summa Summarum betrifft es meiner Einschätzung nach also rund 50-70% der besten potentiellen Motive, eine Aussage wie „Ihre Pressearbeit ist hierdurch nicht wesentlich eingeschränkt“ ist also zu hinterfragen. Erklärt hier der Blinde einem Tauben die Farbe?
Natürlich darf angenommen werden dass derjenige, der das formuliert hat, kein Fotograf ist. Spielt das hier eine Rolle? Nein!
Natürlich wird von den Fotografen, die solch ein wichtiges Rennen begleiten, erwartet, dass sie das bestmögliche Bildmaterial abliefern. Das ist auch soweit in Ordnung so. Man sollte es dann aber auch ermöglichen. Dazu kann man sich sicher beraten lassen, oder ging man hier so vor wie andernorts kolportiert wurde, dass die Presse eh nur das Siegerbild zu interessieren habe?
Ein Fotograf „mit Schere im Kopf“ kann nicht frei arbeiten, sondern wird sich permanent Gedanken machen müssen, ob die aktuelle Motivwahl irgendeinem, der „was zu sagen“ hat, suspekt erscheint!

Man kann sich damit arrangieren, bekommt aber trotzdem Bauchschmerzen angesichts des Gedankens, dass es schlussendlich Laien sind, die als Posten die Arbeit von Fotografen dahingehend bewerten sollen, dass diese diese Regel einhalten. Ich musste andernorts diesbezüglich schon so manches erleben, was jeder Beschreibung spottet.

Ich möchte, dass Kolleginnen und Kollegen, die möglicherweise von weit her anreisen möchten, wissen, was da auf sie unter Umständen zukommt. Die besten Motive werden riskant sein, sage ich. Wem 08/15-Material genügt muss auch wissen, was er da tut.

Daher behalte ich mir vor, alternativ eine andere Veranstaltung zu besuchen, was ich zum Glück kurzfristig entscheiden kann, oder fragliches Bildmaterial nicht zu veröffentlichen. Anfragen nach Bildern sind in diesem Fall zwecklos!
Der Veranstalter hat vermutlich eigene Fotografen. Angaben im technischen Leitfaden legen dies nahe. Es würde mich interessieren, ob man diesen auch solche Steine in den Weg legt und wer letztendlich der wirkliche Urheber dieser Anordnung ist. Hat das die Stadtverwaltung initiiert, oder gar eine noch höhere Stelle? Ist es eine Genehmigungsauflage? Ist es die Privatmeinung des Veranstalters, oder die desjenigen, der die Webseite verwaltet? Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass einem Verein, der nicht erst seit letztem Jahr Rennen organisiert, die mögliche Aussenwirkung dessen unbekannt ist.

Der zitierte Text klingt zwar erst mal recht harmlos, enthält bei genauerer Betrachtung jedoch genug Dynamit, um auf Dauer zu einer schweren Belastung werden zu können – und das nicht nur in Bensheim! Ich erinnere an Wombach, wo man im Sommer diesen Jahres, wenn auch aus anderen Gründen, ebenfalls ein Fotoverbot ausgesprochen hat. Ich habe mir erlaubt, daraus Konsequenzen zu ziehen. Veranstaltungen, die im Ruf stehen, mit diesen Methoden zu arbeiten, lohnen nicht die Mühe einer mitunter aufwändigen Anreise! Ich möchte nur ungern erneut ein „außer Spesen nichts gewesen!“ erleben. Da kann man Zeit und Geld sinnvoller einsetzen.
Ich bitte ferner den Veranstalter, seine Posten geeignet einzuweisen. Das Phänomen der „Könige für einen Tag“ ist hinreichend bekannt. Es bezeichnet Leute, die vom Thema zwar nichts verstehen, aber an diesem Ereignis Befehlsgewalt übertragen bekommen haben. Manche neigen leider dazu, diese Macht zu mißbrauchen! Die Wirkung muss man nicht erläutern. Unqualifizierte, auf Gängelei gerichtete Anweisungen hätten leider sofortigen Abbruch zur Folge, nebst wahrheitsgemäßer Erwähnung im nachfolgenden Bericht. Da man deren Weisungen zu folgen hat, diese aber von Fotografie regelmäßig keine Ahnung haben und demnach die Arbeit der Fotografen auch nicht einschätzen können, bliebe keine andere Reaktion übrig.
Um es näher zu beschreiben: Man kann an dieser wie auch an anderen Stellen mit den heute gängigen Objektiven ein Motiv durchaus so auffassen, dass man zwar in der verbotenen Richtung fotografiert, auf dem fertigen Bild aber davon nichts erkennt. Wir reden hier von Sportfotografie, das Motiv sind die Sportler. Wir reden nicht von Landschaftsaufnahmen mit radelndem Beiwerk! Ein Laie kann die Bildwirkung von außen nicht beurteilen, da er nicht sehen kann was der Fotograf durch den Sucher sieht!

Mir ist natürlich klar, dass das die Urheber dessen nicht wirklich interessiert. Bekannt geben möchte ich es trotzdem.
Dann kann keiner sagen man habe es nicht ahnen können.

(Das Beitragsbild zeigt die Siegerehrung der Männer 2014.)