Filme machen …

Da es immer mal wieder gefragt wird schreibe ich hier mal kurz auf, was den Meisten gar nicht weiter auffällt …

Zum Thema „Fotografieren“ gibt es zahlreiche Lehrbücher, daher nur kurz in diesem Zusammenhang: Fotos sind Momentaufnahmen, die von ihrer Gestaltung leben. Im Gegensatz dazu erzählen Filme immer eine Geschichte, haben eine Handlung. Ganz gleich wie, die verschiedenen Szenen und Einstellungen stehen in einem Gesamtzusammenhang.

Grob gesagt kann man den Herstellungsprozess eines Filmbeitrags in drei Schritte unterteilen. Davon bekommt die Öffentlichkeit nur einen Bruchteil mit, nämlich die eigentlichen Dreharbeiten. Die machen gerade mal etwa 20% des Ganzen aus!
Wie beim Hausbau erstellt man zuerst mal ein Grundgerüst, im Fachjargon Skribble oder Skript genannt. Eine Art vereinfachtes Drehbuch. Das kann durchaus nur im Kopf geschehen, es bedarf nicht unbedingt einer umfangreichen schriftlichen Ausarbeitung. Man überlegt sich darin was man zeigen möchte, und macht sich natürlich auch Gedanken dazu, was man in der verfügbaren Zeit bei so einem Rennen überhaupt zeigen kann. Die besten Standorte und Einstellungen nützen wenig, wenn sie in der vorhandenen Zeit nicht erreichbar sind!
Um das machen zu können muss man natürlich erst mal möglichst viele Details zum Ablauf des Renntags in Erfahrung bringen. Idealerweise kennt man das noch aus dem Vorjahr.
Wie ist die Rennstrecke beschaffen, wie sieht der Zeitrahmen aus? Wie lang sind die zurück zu legenden Wege? Gibt es Abkürzungen, Umleitungen, Hindernisse? Beiläufig wird hiermit auch klar, warum kurze Rennen nur schlecht zu Filmen sind. Start und Ziel alleine für sich ergeben keine Handlung. Sie werfen beim Betrachter nur weitere Fragen auf, nämlich, was sich in der Zwischenzeit alles ereignet hat. Um das zeigen zu können kann es durchaus angebracht bis nötig sein, mit mehr als einer Kamera gleichzeitig zu arbeiten, einer Option, die normalen Amateuren in der Regel nicht zur Verfügung steht!

Mit dieser Planung am grünen Tisch bringt man etwa 60% des Gesamtaufwands für so einen Film zu. Man „weiß“ also schon bevor man zum Rennen fährt, was sich dort voraussichtlich abspielen wird und was man daraus dann bildlich machen kann…

Vor Ort sollte man diese Planung auf Realisierbarkeit überprüfen! Nichts ist schlimmer als anzukommen und festzustellen, dass alles ganz anders aussieht und sich womöglich die Abläufe auch noch geändert haben. Ist es im Vorfeld nicht möglich, die benötigten Informationen bei zu schaffen, ggf. durch Rückfragen beim Veranstalter, kann es besser sein, das Projekt abzubrechen statt mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Bitte seid euch bewusst, dass Filmaufnahmen ohne hinreichende Vorplanung ganz schnell zu einem unkalkulierbaren Glücksspiel mutieren können, was im Endeffekt nur zu Frust führt.

Ist soweit alles klar, sammelt man die angedachten Einstellungen ein.

Ist man nach dem Rennen wieder zu Hause beginnt Teil drei mit dem Kopieren der Rohdaten von den Speicherkarten auf die Festplatten. Der Schnitt geht eigentlich relativ schnell weil schon in der Planungsphase daran gedacht wurde was später mal wie zusammen passen soll. Tut es das dann aus welchen Gründen auch immer nicht hat man oft ein Problem und muss zusehen, wie die Klippe zu umschiffen ist… Es wäre nicht das erste Filmprojekt, das an derlei Dingen krepiert wäre! In Hollywood stehen dann Nachdreharbeiten an, eine Option, die beim Sport höchst selten zur Verfügung steht.

Ist dann alles in trockenen Tüchern und der Film fertig spielt man ihn aus, lädt sein Machwerk ins Internet, erstellt Dateien zur Herstellung einer DVD, usw. usf.

So viel also zu der bekannten Frage „kommt das im Fernsehen?“ 😉