Rund um das Stadttheater

Das Radrennen „Rund um das Stadttheater“ in der Gießener Innenstadt wird nachweislich, wenn auch mit Unterbrechungen, seit mindestens 70 Jahren ausgetragen. Es ist damit eines der ältesten in der Region. Gestern war die diesjährige Austragung. 

Der Rundkurs am Gießener Stadttheater ist etwa 800 Meter lang und führt um einen kleinen Park herum. Start und Ziel liegen vor dem Haus des Hauptsponsors, der örtlichen Sparkasse und gleich neben einem Altenheim. An beiden Stellen ergab das in diesem Jahr einige Probleme, denn es wurde gebaut! So musste man improvisieren. Statt vor dem Haupteingang war das Podest für die Siegerehrung dieses Mal vor der Tiefgaragenzufahrt aufgebaut, und die Anmeldung fand im Foyer statt. Das Wetter versprach wechselhaft zu werden, auch wenn es bis zum Mittag weitgehend trocken blieb. Dann aber fing es an zu regnen, was prompt zu teilweise heftigen Stürzen führte, die auch Aufgaben zur Folge hatten.

Die Beteiligung war großteils recht rege, auch wenn verschiedene Parallelveranstaltungen für Konkurrenz sorgten.
So fanden an diesem Wochenende auch noch das Finale der Radbundesliga in Cottbus (weshalb das Frauenrennen entfiel) sowie die Wiederaufnahme des Großen Weinpreises in Mainz-Ebersheim statt. Das kostete zwar einige Fahrer, der Aderlass hielt sich aber in Grenzen. Man wusste eben, was man daran hat.

Wen es interessiert findet hier die Ausschreibung zur Veranstaltung.

Der Renntag begann mit dem Rennen der Schüler U11 und U13, die ein Rundstreckenrennen auf Zielankunft über 12 bzw. 20 Kilometer austrugen. Gemeinsames Rennen mit getrennter Wertung – der beliebte Modus erfordert beim Wettfahrausschuss, der Jury, erhöhte Aufmerksamkeit und hat im Nachhinein gerne Beschwerden zur Folge, wenn Fahrer oder Betreuer das Ergebnis ganz anders gesehen haben wollten. Dagegen half auch hier der Zielfilm.
Sieger der U11 wurde Lokalmatador Tim Nissel von der RV Gießen-Kleinlinden, dem „anderen“ örtlichen Radsportverein neben der gastgebenden RSG Gießen und Wieseck. Die Wertung der U13 ging an Hannah Buch vom Tuspo Weende. In diesen jungen Jahrgängen wird noch nicht zwischen „Männlein und Weiblein“ unterschieden.
Generell darf gesagt werden dass die Sportlerinnen und Sportler teilweise Anreisen bis aus Berlin auf sich nahmen, was vom Stellenwert dieser ansonsten doch regionalen Veranstaltung zeugt.

Die nachfolgenden Rennen wurden dann als Kriterium ausgetragen, das heisst es gab alle fünf Runden eine Wertung, und dazwischen verschiedene Prämien. Sieger wird hier nicht, wer zuerst ins Ziel kommt, sondern wer Rundengewinne und/oder die meisten Wertungspunkte sammelt. Rundengewinn geht dabei vor Punktgewinn.
Das Rennen der Schüler U15 fand zusammen mit der Jugend U17 statt über jeweils 28 bzw. 40 Km. Die U15 gewann Michel Heßmann vom RSV Coesfeld, die U17 ging an Moritz Riedmann vom RV Concordia Karbach, einem bekannten Verein aus Bayern, der im Frühjahr oft ein bedeutendes Rennen austrägt, das auch schon Bundesligaläufe gesehen hat.

Sozusagen als Einlage ausserhalb der Lizenzrennen gab es dann ein Hobbyrennen über 25 Runden = 20 Km, das auch nicht auf der offiziellen Ergebnisliste des BDR auftaucht. Diese findet man übrigens hier.

Rennen Nummer vier sollte das der Junioren werden, die zusammen mit den Senioren unterwegs sein sollten.
Doch halt, man hatte da was vergessen. Das war nämlich das Fette-Reifen-Rennen, und man hatte es auch nicht wirklich vergessen, sondern wollte nur noch etwas warten – auf weitere Teilnehmer nämlich… Gemeldet hatte sich bis dahin nur ein einziger Mutiger. So fuhr dieser schließlich der Form halber eine Runde gegen den Vorsitzenden des Veranstalters, was auch nicht wirklich fair war. Gewonnen hatte er ohnehin. Das Rennen sollte laut Ausschreibung eigentlich fünf Runden dauern. Die Rache der Götter kam prompt, und zur Erheiterung des Publikums stellte sich die Frage, wer fuhr da mit wem. Torsten G. hatte sich nämlich ein altes Fixie mitgebracht, und das entwickelte ein rechtes Eigenleben!AF1V6758

Besonders sehenswert waren da die alten Felgen aus Holz!

Das nun wieder in der Reihenfolge des Zeitplans ausgefahrene Rennen der U19 und Senioren 2 und 3 wurde eindeutig von den Junioren dominiert. Für beide Rennklassen war eine Distanz von 48 Km vorgegeben, und es gewannen Tim Auer von Edelweiss Oberhausen sowie Lars Götzler vom RSV Nassovia aus Limburg.
Tim war in der Liste als Mitglied des Team Bergstraße angegeben, was mich zu einem traurigen Kapitel führt. Dieses Team wird es ebensowenig wie andere im nächsten Jahr noch geben, und das, weil der Sponsor das Geld wohl woanders für besser angelegt zu halten scheint. Es gab aus Baden mal vier Mannschaften, bald werden es womöglich null sein! Das zeigt den Niedergang von Mannschaften aufgrund einer Entwicklung, an der diese keinerlei Schuld tragen!

AF1V7417Nach einer halbstündigen Mittagspause – die Bratwürste sind hervorragend und alleine für sich schon ein Grund zum Kommen – ging es mit dem Rennen der Eliteklasse C weiter.

Sie fuhren ebenso wie die nach ihnen den Renntag abschließenden Elitefahrer der Klassen A und B über 64 Km. Das entsprach 80 Runden. Von der Möglichkeit, an Start und Ziel Reparaturen durchführen zu können und dafür Rundenvergütung zu erhalten machten zahlreiche Teilnehmer nach Stürzen gebraucht. Man muss allerdings wissen, dass bei einem solchen Rennen eine Runde nicht sehr viel Zeit ist, selten mehr als 1-2 Minuten. Leider schieden ebenso viele durch die wetterbedingten Stürze auch aus.
Die Wertung des Rennens der C-Klasse ging an Philip Lentz aus Polch, und das nachfolgende Rennen der Klassen A und B gewann mit Jan-Niklas Droste ein ehemaliger Profi, auch wenn es am Anfang gar nicht so ausgesehen hat. Auch er wäre beinahe durch Sturzpech ausgeschieden, fuhr aber weiter und holte sich den Lorbeerkranz.AF1V7427

Hier sind die →Bilder des Renntags.