Eurobike

Heute habe ich in Friedrichshafen die Eurobike besucht, und ich kann mir nicht helfen, es erinnert mich an einen Besuch bei der Photokina in Köln, auch wenn der schon Jahre her ist. 

Nichts läge mir ferner, als über diese wirklich interessante Messe einen Verriss zu schreiben, auch wenn ich am Abend nach dem Besuch der Meinung bin, dass man einiges anders besser hätte machen können. Was ich hier schreibe sind meine persönlichen Eindrücke, und es ist ganz normal dass andere Menschen andere Eindrücke mit nach Hause genommen haben.

Beginnen wir mit der Anreise.
Das Navi empfahl mir den Weg über die A81, und ab dem Autobahnkreuz Singen den Weg am nördlichen Bodenseeufer. Ab etwa Höhe Meersburg kamen mir die ersten Shuttlebusse mit der Anschrift „Messeverkehr“ entgegen, und als es gleich darauf zu ersten Staus kam, es aber noch etliche Kilometer bis Friedrichshafen waren, dachte ich so bei mir „das kann ja heiter werden!“.
Ganz so schlimm wurde es dann zunächst doch nicht, denn der Stau wurde durch eine Tempo-30-Zone verursacht, die sich die Gemeinde Hagnau eingerichtet hatte. Auf der einen Seite kann man verstehen, dass die Leute dort die Nase voll haben von Rasern. Auf der anderen Seite bringt es nachweislich wenig bis nichts bezüglich Lärmschutz, denn man kann am Drehzahlmesser beobachten, dass (m)ein Motor 2000 Umdrehungen in der Minute dreht, egal ob er 50 km/h im dritten Gang fährt oder 30 km/h im zweiten. Nur im zweiten Gang entsteht mehr Lärm! Tempokontrolle OK – aber bitte nicht Drosselung bis zum Stillstand!

Die Anreise ging weiter bis an die Stadtgrenze von Friedrichshafen, denn ab etwa Fischbach war von flüssigem Verkehr keine Rede mehr. Insgesamt gab es zwar eine ganze Reihe an Parkflächen, die zusätzlich ausgewiesen wurden, und dorthin fuhren auch Pendelbusse in kurzem zeitlichen Abstand. Nur blieben diese regelmäßig in den Staus stecken, denn man hatte es unterlassen, den Parkplatzsuchverkehr direkt zum Messegelände zu unterbinden.  Wo wie viel Platz noch frei war blieb unbekannt, direkte Wegweisung für Ortsfremde auf der Website der Messe ebenso. Hinweisschilder im Ort sind gut und schön, aber die Mehrheit will keinen Schritt zu weit gehen und parkt am Liebsten direkt vor dem Eingang. Da war das Chaos programmiert. Vorschlag zur Abhilfe: Leitet die Leute von den Einfallstraßen direkt auf einen Parkplatz, von da aus geht es nur im Bus weiter. Direkte Zufahrt zur Messe nur für Aussteller oder besonders Berechtigte, wie z.B. Gehbehinderte. So bleiben die Straßen frei für die Busse und evtl. den Notarzt, wenn er gebraucht wird, und bitte, schreibt diese Informationen bitte gut auffindbar auf eure Webseite. Es ist zu spät, diese erst vor Ort als Wegweiser zu verbreiten, denn wenn die Fahrer ihre Navis auf die Messe-Adresse programmiert haben landen die wo? – Richtig, bei euch vor der Haustür, aber zuerst mal sind die Straßen dorthin verstopft!

In den Hallen der Messe gibt es nichts, was es nicht gibt. Die ganze Welt gibt sich dort ein Stelldichein. Alle namhaften Anbieter der Branche, und auch solche die man hierzulande noch nie gehört hat, sind dort vertreten. Daraus entsteht für den normalen Messebesucher, der sich zwar für etwas Bestimmtes interessiert, aber kein Fachbesucher ist, ein Problem. Ein Publikumstag, eben der Samstag, sind für einen umfassenden Überblick ganz einfach zu wenig. Man täte gut daran, den Sonntag mit hinzu zu nehmen.
Es mag Gründe dafür geben, dass man von Mittwoch bis Freitag nur Fachbesucher zulassen möchte. In die Läden gehen dann aber die normalen Menschen, die sich auf so einer Messe die Ideen holen, für die sie später dann Geld ausgeben.
Niemand fährt durch die halbe Republik ohne Grund, manche kamen noch von weitaus weiter her.

Fahrräder sind heute hochspezialisierte technische Produkte, und in vielen Fällen im Fachhandel nur auf Bestellung zu bekommen. Viele nutzen die Messe, um sich das Teil ihrer Sehnsucht „live“ anzusehen, auch um zu vermeiden, viel Geld in den Sand zu setzen. Keiner kauft gerne die Katze im Sack!
Da sind wir dann bei meinem Vergleich mit der Photokina damals, wo man viele schöne Sachen gezeigt bekam, die man dann in den Läden nicht hat kaufen können… Die Änderungen der Zeit haben sie schon nach wenigen Wochen oder Monaten überholt.

Bitte fragt mich nicht, was dort ausdrücklich „neu“ war. So wirklich Neues habe ich nicht gesehen. Es waren Trends wahrzunehmen, aber keine revolutionären Erfindungen, auf die die Welt nur gewartet hätte.
Keine Frage, der Weg geht zum eBike. Dafür gibt es viele Gründe. Einer ist bestimmt die immer älter werdende Bevölkerung, der es gut tut, bei so manchem Anstieg eine Hilfe zu haben. Man darf jedoch auch nicht vergessen, dass ein Motor vielen Freizeitsportlern das Vordringen in Gebiete erlaubt, die ihnen ohne diese Unterstützung verschlossen bleiben würde. Ich rede hier von Reichweite in Kilometern, nicht vom Eindringen in geschützte Natur. Wer das wirklich will schafft das auch ohne Motorunterstützung.

Die Modellpalette ist breit gefächert, und es gibt kaum eine Modellvariante, die es nicht auch „mit Motor“ gäbe. Beim einfachen Hardtail angefangen bis hin zum Wanderrad, und es wird wohl nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die ersten Fitnessbikes mit Elektroantrieb auftauchen werden. Fullys mit Motor gab es ja schon länger, inzwischen aber gibt es kaum noch einen Hersteller, der kein solches Modell im Angebot hätte. Oft kann man zwischen Verschiedenen wählen.

Diese Messe war und ist ausdrücklich kein fliegender Markt. Dafür gibt es andere Gelegenheiten. In der Regel kann man die gezeigten Produkte nicht vor Ort kaufen und mitnehmen. Da ärgert es einen dann doch, wenn man am frühen Nachmittag zum Stand eines Anbieters kommt, und dort statt dem Modell, das man sich ansehen wollte, eine Zahnlücke vorfindet. Kann es sein, dass sich einige Anbieter das „Wieder mit nach Hause nehmen“ der Ausstellungsstücke sparen wollte? Einerseits kann man das bei den Frachtkosten verstehen, andererseits kann man nicht zugleich überall sein. Es ist völlig normal, dass es eine gewisse Zeit dauert, bis man als Besucher mindestens einmal über die Messe gelaufen ist und sich danach spezieller umsehen kann. Wäre es da nicht sinnvoll, einen Zettel „verkauft“ an das Teil zu hängen? So könnten auch andere es sich noch ansehen und sich für oder gegen einen Kauf im Fachhandel entscheiden, und der Erwerber könnte es sich am Abend nach der Messe abholen. Das wäre auf jeden Fall besser, als enttäuschte Gesichter, die einen gesuchten Artikel nicht mehr zu sehen bekommen haben.

Der Andrang? Nun, ich hatte es mir schlimmer vorgestellt! Es war zwar voll – man kann sagen, die Messe war gut besucht – aber nicht überfüllt. In manchen Hallen war zu bestimmten Zeiten regelrechte Leere wahrzunehmen. So wurden die Fahrräder umlagert, aber nur wenige interessierten sich für Wäsche.
Auch meine ich eine Erklärung dafür gefunden zu haben, warum die Leute sich zwar aktiv für den Sport sehr interessieren, aber das Interesse sonst sehr zu wünschen übrig lässt. Ein Zeichen dafür waren verschiedene Autogrammstunden namhafter Profis. Die Besucher haben sie oft wörtlich ignoriert. Das ist wohl auch kein Wunder, wenn die angekündigten Anfangszeiten nicht eingehalten wurden und die Akteure kamen und gingen wie und wann sie wollten. Mehr als einmal traf man sie zu den angekündigten Zeiten einfach nicht an. Wo andernorts ein Heiden Aufwand damit gemacht wurde musste man hier regelrecht danach suchen. Ich habe an anderer Stelle bereits zuvor den Verdacht geäußert, es könne sein dass man das Publikum nicht wirklich ernst nehme. Mir scheint das begründet, denn wer den Kontakt zu den Leuten wirklich sucht, auch weil ihm oder ihr später bei den Rennen Unterstützung durch Zuschauer etwas bedeutet, der nimmt solche Termine auch ernst.
Ist es ein Wunder wenn die Besucher da weiter gehen statt stehen zu bleiben und ein Gespräch zu beginnen?

Meiner Meinung nach wurden heute viele Chancen unnötig vertan. Ich bin gespannt darauf, was man uns im Frühjahr in Freiburg auf der Bike-Aktiv präsentieren wird. Wie bekannt ist das ja dann das genaue Gegenstück hierzu, nämlich im wesentlichen ein „Jahrmarkt“ der ortsansässigen Fachhändler.