63. Silberpils-Preis Bellheim

Radsport und Südpfalz passen zusammen wie Mosel und Wein. Die Gegend ist bekannt für zahlreiche, seit langem erfolgreich ausgetragene Veranstaltungen. Nahezu jedes Dorf hat dort über das Jahr verteilt ein bedeutendes Rennen im Kalender stehen. So war auch das gerade zu Ende gegangene Radsport-Wochenende von Bellheim keine neue Erfindung umtriebiger Marketingfachleute, sondern aus einer langen Tradition entstanden.
Angefangen hat die Rennserie dieses Jahr am Freitag mit dem 28. Abendkriterium, fand am Samstag ihre Fortsetzung im Walter-Hesselschwerdt-Renntag, und endete am Sonntag noch lange nicht mit dem 63. Großen Silber-Pils-Preis. Umrahmt wurde das Ganze vom 5. Bellheimer Masters-Etappen-Rennen, bei dem von Freitag bis Sonntag aus einem Kriterium, einem Rundstreckenrennen sowie einem Straßenrennen die Sieger ermittelt wurden.

Man muss schon dort wohnen, um über alle diese Veranstaltungen gebührend berichten zu können. Leider habe ich diese Möglichkeiten nicht, sodass ich mich auf den Sonntag mit dem 63. Silberpilspreis konzentriert habe. Er begann früh um 8:30 Uhr mit dem Rennen der Junioren, die vier Runden gleich 80 Kilometer auf einem im Vergleich zu den Vorjahren geänderten Straßenkurs zurückzulegen hatten. Die Fahrzeit für eine Runde über 20 recht ebene aber windanfällige Kilometer betrug durchschnittlich 25-30 Minuten. Während am Morgen die Temperaturen noch durchaus angenehm waren, wurde es ab dem Mittag erneut sehr heiß, als die Gewitter in der Umgebung abgezogen waren und die Sonne wieder heraus kam.
Die Änderung betraf vor allem ein Stück Wirtschaftsweg zwischen den Ortschaften Zeiskam und Westheim, das von den Fahrern überwiegend als schwierig beschrieben wurde. Es war ein kurviger und enger Flaschenhals, der es schwer machte, nach vorne zu kommen.
Wenige Minuten nach der U19 startete das Feld der Frauen mit Wertungen für die Klassen U17w, U19w und Elite über insgesamt drei Runden.
Nach dem sich bei den Junioren schon früh eine kleine Spitzengruppe gebildet hatte gewann schlussendlich ein Hesse das Rennen – der für Rossbach fahrende Moritz Hamm. In seinem letzten Juniorenjahr steht er aktuell in Verhandlungen mit verschiedenen Teams der U23 und wird dabei mit Sossenheim in Verbindung gebracht.
Die Wertung der Frauen ging an Daniela Gaß vom Team Stuttgart, die U19w gewann die für die RV Kustadt fahrende Monique Winkelblech, und die Wertung für die U17 ging an Ricarda Bauernfeind von der RSG Ansbach.
Es folgt anschließend sofort der nächste Höhepunkt, das Rennen der Männer C-Klasse. Die Starterliste las sich nicht wie die eines Provinzrennens, sondern eher wie die der ganz großen Veranstaltungen mit Teilnehmern aus der ganzen Republik, einschließlich etlichen Teilnehmern aus dem benachbarten Ausland.
Bereits bei der Aufstellung in der Seitenstraße vor Start und Ziel gab es Hektik, wohl weil zu viele Fahrer mitten auf der Rennstrecke herumstanden und den Zieleinlauf behinderten. Um 9:40 Uhr gingen die zahlreichen Teilnehmer des gut besetzten Rennens auf die Strecke über 5 Runden gleich 100 Kilometer. Das war die Hälfte des am Nachmittag noch anstehenden Profirennens. Dazu dann später mehr. Der Sieger und neue B-Fahrer heisst Alberto Kunz vom RV Oberbexbach, einer weiteren bekannten Adresse. Aus hessischer Sicht erfolgreich war der Frankfurter Florian Brich, auch wenn er sich doch eher auf der Bahn zuhause fühlt. Er wurde 12.
Sozusagen als Rahmenprogramm fuhren dazwischen die Schüler und Jugend ihre Rennen: U15 über zwei Runden, und U11 bzw. U13 jeweils eine. Die U17 fuhr indessen auch drei Runden. Leider kann ich zu diesen Rennen wenig sagen, denn zeitgleich fand im Hintergrund in einem Zelt die Einschreibung der Profis statt, und man musste ja auch noch etwas essen. Es gibt daher auch nur wenig Bilder aus diesen Rennen.
So wurde es früher Nachmittag, und die eben genannte Einschreibung wurde zum Laufsteg der bekannten Mannschaften vor allem aus der Bundesliga. Sie kamen aus allen Ecken nach Bellheim für ein 200-Kilometer-Rennen, das es wahrlich in sich hatte!

Wer war da? Eine nicht abschließende Aufzählung enthielt beispielsweise die Mannschaften Heizomat aus Bayern, das Team Brandenburg, die Koblenzer Mannschaft Kuota-Lotto oder Jäger und Keppel-Wipotec. Hessen war mit dem Team GF Pro-Fachklinik Dr. Herzog vertreten, und auch die Heimmannschaft, das Team Erdinger sollte man erwähnen. Es wird kaum verwundern dass nur etwa die Hälfte der Starter auch im Ziel ankamen. Defekte sorgten für Ausfälle, und hier und da hörte man auch einen Krankenwagen fahren. Die Länge des Rennens forderte vor allem bei den weniger erfahrenen Einzelstartern ihren Tribut. Das Rennen selbst war lange Zeit offen. Ein geschlossenes Feld zog seine Runden, aufgelockert von Ausreissversuchen, die schlussendlich alle keinen Erfolg hatten. Der Zielsprint musste die Entscheidung bringen, gewonnen hat ihn Jonas Rapp. Er fährt für das relativ unbekannte Team „mein Radladen.de – Südwestteam“ und zeigt damit wieder einmal, dass man bei geeigneten Bedingungen auch gegen die großen Mannschaften gewinnen kann.
Während die Profis ihre Runden drehten tauchte zur Überraschung nicht weniger plötzlich ein weiteres Rennfeld auf. Das waren die Senioren, die ihre dritte Etappe austrugen. Wie eingangs erwähnt lief ja noch die mehrtägige Etappenfahrt, die wegen ihrer separaten Ausschreibung nicht bei allen im Blickfeld stand.
Das Straßenrennen gewann der Lokalmatador Claude Christ, der damit vor Ernst Hesselschwerdt Gesamtzweiter wurde. Gewonnen hat die Gesamtwertung Patrick Vogt von Squadra Ciclismo Colonia.
Am frühen Abend war wieder einmal ein langer Renntag zu Ende.
Mehrere Hundert Bilder findet ihr in der Bildersammlung, und die Ergebnisse auf Rad-Net.de.