Hessenmeisterschaft im Einzelzeitfahren

Die Bildzeitung würde einen Artikel zu den heutigen Ereignissen vermutlich eher mit „Mord an der Hessenkaserne“ betiteln, auch wenn es sich dabei lediglich um die Hessenmeisterschaften im Einzelzeitfahren gehandelt hat. Die fanden heute im mittelhessischen Stadtallendorf statt, Start und Ziel waren wie in den Vorjahren auch vor der Hessenkaserne. 

Bei den zahlreichen dort erschlagenen Wesen handelte es sich denn auch um Pferdebremsen, die den Versuch, die anwesenden Personen als Mahlzeit zu missbrauchen, mit dem Leben bezahlten.

Vertreten waren alle Klassen von den Schülern U11 bis zu den Senioren 4, und zwei Jedermannrennen mit offizieller Wertung bildeten den Abschluss.

Hessenmeister war und ist Lokalmatador Julien Essers, der als Profi beim bayerischen Team Heizomat fährt. Letztes Jahr war er es in der U23, heute ist er es in der Eliteklasse. Sein Teamkollege Sascha Starker aus Bensheim wurde Vierter.

Aber der Reihe nach…

Man braucht nicht viel, um so ein Zeitfahren zu organisieren. In Stadtallendorf stand – im Prinzip – ein Pavillon mitten auf der Straße, der als Start diente, sowie als Wendepunkt umfahren wurde. Darin stand als Wartezone eine Bierbank. Des weiteren stand ein wenig entfernt ein kleiner LKW für das Zielgericht. Für die Zeitnahme braucht es noch zwei synchronisierte Funkuhren. Jetzt fehlt noch ein Starter, einen Zielrichter, und ein kräftiger junger Mann, der die Fahrer am Start festhält – fertig. Gefahren wurde auf einer Privatstraße des Bundes, wie es offiziell heisst. Sie verbindet die Kasernen von Stadtallendorf mit der in Neustadt, wo einstmals Start und Ziel dieses traditionsreichen Wettbewerbs lagen. Die Normalbevölkerung sagt dazu einfach „Panzerstraße“.

Begonnen hat der Renntag morgens um  10 Uhr mit dem Rennen der U11 über eine Runde, gleich 10 Km. Gewonnen hat Tim Nissel vom RV Gießen-Kleinlinden in einer Zeit von 19:11,21 Minuten. Ins Ziel kamen hier acht Teilnehmer/innen.

Ebenfalls achte Teilnehmer im Ziel sah der folgende Wettbewerb der U13; gewonnen hat Nils Rathjen aus Fulda, der nun auch die Fördercup-Wertung anführt. Seine Zeit: 17:59,39 Minuten über dieselbe Distanz.

Die U15 gewann Robin Schüßler vom VC Darmstadt in 15:00,28 Minuten. Hier wies das offizielle Ergebnis 15 Sportler im Ziel aus.

Ab dem Rennen 4, der U17, wurden dann zwei Runden gleich 20 Kilometer gefahren. Sebastian Pilatus, ebenfalls vom VC Darmstadt, steht in der Ergebnisliste ganz oben, allerdings steht bei der am Zielwagen ausgehängten Fassung bei ihm keine Zeit dabei. Laut dieser Liste waren 16 Fahrer im Ziel. Einige waren entweder gar nicht erst gestartet, warum auch immer, und einige mussten unterwegs aufgeben.

Kommen wir zu den Junioren U19. Die Beteiligung hier war mit lediglich 6 Fahrern im Ziel mager, was aber damit zu tun hat dass parallel andere Rundfahrten stattfanden, die für die im diesem Alter schon massgeblichen Teams höhere Priorität hatten als die Landesmeisterschaft im Zeitfahren. Etliche potentielle Kandidaten waren deshalb gar nicht am Start. Neuer Hessenmeister dieser Altersklasse ist Niklas Schenk vom RV Froh Fulda in 27:31,72 Minuten.

Rennen 6 war das der Frauen. Auch hier gab es nur 7 Teilnehmerinnen im Ziel, Siegerin wurde Tine Holst Christensen von Mars-Rotweiss Frankfurt, einer ausgewiesenen Triathletin. Daher wundern auch ihre Zeitfahrqualitäten nicht. Ihre Zeit: 29:24,65 Minuten.

Gehen wir nun im Alter rückwärts und kommen zu den Senioren4. Auch hier kamen „nur“ 6 Teilnehmer ins Ziel, Hessenmeister wurde Wolfgang Lenhardt von der SSG Bensheim in 29:25,13 Minuten.

Bei den Senioren3 heisst der Sieger Viktor Slavik, er fährt für den RV 1899 Kassel. Die Senioren2 gingen an Cosmas Lang. Früher Jedermannfahrer, der als einer von wenigen fast immer mit dem Rad zu den Rennen der Region anreiste. Inzwischen ist er Lizenzinhaber beim RSC Wiesbaden.
Die Senioren2 waren mit 13 Teilnehmern im Ziel vergleichsweise gut besucht. Eine Klasse Senioren1 gab es nicht, der eine Teilnehmer auf der Starterliste fuhr bei der Elite mit… Ob es Nachmeldungen gab ist mir nicht bekannt.

Nachdem der letztjährige U23-Meister, Julien Essers, auch älter geworden ist und nun den Titel bei der Elite führt, brauchte es einen Nachfolger bei den U23. Der heisst Viktor Brück und fährt für die RSG Gießen und Wieseck. Seine Zeit für 20 Km: 35:34,11 Minuten.
Vergleicht die Zeiten der verschiedenen Klassen, alt und jung, und denkt mal nach…

Mit 6 Sportlern war die Liste der Nichtstarter bei den U23 länger als die Aufzählung der ins Ziel gekommenen!

Den Sieger bei der Elite habe ich gerade genannt, seine Zeit war 34:38,11 Minuten. Die Eliteklasse sah 19 Sportler im Ziel, vier sind nicht gestartet und einer wird als #NV geführt.

Den Abschluss der Veranstaltung bildeten die beiden Jedermannrennen, wo je nach Alter eine oder zwei Runden auf demselben Kurs gefahren wurden. Das „J27“ gewann Bernd Quitzow vom Team car-special.de in 36:40,05 Minuten über 27 Kilometer. Hier gab es 18 Sportler im Ziel. 11 Damen und Herren waren es dann im Jedermannrennen J13 über eine Runde, gleich 13,5 Kilometer. Der Sieger heisst hier Patrick Bungert vom ADAc Triathlonclub Main-Kinzig. Er brauchte dafür 19:23,26 Minuten.

Die Bilder vom Renntag sind in der Bildersammlung erschienen.

Alle hier genannten Zahlen und Zeiten habe ich den Aushängen am Zielrichterwagen entnommen.
Offizielle Ergebnisse findet ihr bei Rad-net.de, ein PDF-Dokument gibt es auch bei Hessen-Radsport.de