Deutsche Meisterschaften 2015

Viele Wege führen nach …
Nein, nicht nach Rom, sondern an diesem Wochenende nach Einhausen, Bensheim oder Nidda!
Es war das Wochenende der Deutschen Radsport-Meisterschaften, einmal im Einzelzeitfahren, zweimal im Straßenrennen – Wertungen zur Rad-Bundesliga inklusive.
Die Männer und Frauen ermittelten am Freitag in Einhausen ihre Zeitfahrmeister, und am Sonntag hätte man sich teilen können. Einmal zur Meisterschaft der Profis in Bensheim mit dem „Hot Spot“ Kuralpe im Odenwald, ein ander mal zu den Nachwuchssportlern im malerischen Nidda im Vogelsberg. Das hochverehrte Publikum hatte die Qual der Wahl. Alle drei Veranstaltungen lohnten sich.
Hinkommen, angucken, nachmachen 😉
Zum Teil sogar „mitmachen“, denn in Bensheim war auch ein Jedermann- und Prominentenrennen eingebaut, das über eine Runde der Rennstrecke führte.

Ein Pokerspiel der besonderen Art fand schon am Freitag bei den Deutschen Meisterschaften im Einzelzeitfahren der Klassen Männer U23 sowie der Elite Männer und Frauen (Profis) statt.

Auf dem etwas aufgebohrten Rundkurs des ehemaligen Radrennens „Rund um den Jägersburger Wald“ gaben sich die besten Zeitfahrer und Zeitfahrerinnen Deutschlands ein Stelldichein. Je nach Klasse waren auf dem 15 Kilometer langen Rundkurs zwei oder drei Runden zu fahren.

kurz vor dem 5. Titel: Tony Martin
kurz vor dem 5. Titel: Tony Martin

Erwartungsgemäß gewonnen hat bei den Männern Tony Martin, und das mit einem Vorsprung, bei dem seinen Konkurrenten bestenfalls eine Statistenrolle zuteil wurde. Er brauchte 52 Minuten und zehn Sekunden, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 51,74 km/h entsprach. Der Zweite, Nikias Arndt, folgte mit mehr als zwei Minuten Abstand. Stefan Schuhmacher wurde Dritter.

Geringfügig verzockt scheint sich dagegen Hanka Kupfernagel zu haben, die ihrer Startgruppe zwar ebenfalls mit erheblichem Vorsprung enteilt war, zum Schluss aber dennoch „nur“ Vierte wurde. Tröstlich war da immerhin die Mannschaftsführung in der Radbundesliga, zu der die Rennen ebenfalls gezählt wurden.

Den Anfang machten bei schönstem Radsportwetter um 12 Uhr die Männer der U23.

Ein Bierchen für den Sieger
Ein Bierchen für den Sieger

Der neue Deutsche Meister in dieser Klasse heisst Lennard Kämna vom Team Stölting, ein Name, der aktuell schon öfter in Erscheinung getreten war. Er hatte schon vor wenigen Wochen das schwere Rennen in Ilsfeld-Auenstein gewonnen.
Die Siegerehrungen fanden dann ab 21 Uhr im großen Saal des Bürgerhauses statt, in dem auch das Rennbüro und das Pressezentrum untergebracht waren.

Die offiziellen Ergebnisse kann man bei rad-net.de nachlesen, Impressionen von der DM sind in der Bildersammlung.

Zu den Ehren dieser Meisterschaft kam man in Einhausen und in Bensheim eigentlich wie die Jungfrau zum Kinde. Der eigentliche Veranstalter musste absagen. So wurde wenige Wochen vor dem Termin dringend ein neuer Ausrichter gesucht – und gefunden. Es gibt wohl keine Handvoll Personen in Deutschland, die quasi aus dem Stegreif eine DM auf die Beine stellen können. Der Einhausener Radhändler und ehemalige mehrfache Meister Algis Oleknavicius (der in Fachkreisen einfach nur als Olek bekannt und beliebt ist) ist ein solcher, der binnen acht Wochen zusammen mit einem eingespielten Team und den Städten Einhausen und Bensheim dieses Wunder vollbracht hat. Ja, man darf es schon so nennen. Im Winter veranstaltet er dann in Lorsch wieder das bekannte und bewährte Crossrennen, das über die Region hinaus seinesgleichen sucht.

Während am Sonntag die Profis, Männer und Frauen, in Bensheim ihre Meister suchten (Die Ergebnislisten aus Bensheim findet man auf der Webseite des Veranstalters), entschied ich mich für einen Besuch bei den Nachwuchssportlern in Nidda. Ich hatte bei der Anmeldung in Einhausen die Liste der Medienvertreter gesehen, die auch nach Bensheim kommen wollten. Das waren schon fast zwei Seiten DIN A3, und wenn schon zwei Dutzend Fotografen an der Ziellinie stehen würden brauchte man dort keinen weiteren.
Es kam dann, was zu vermuten war. Während sich die Weltpresse in Bensheim um Plätze balgte waren in Nidda so gut wie keine Berichterstatter zugegen! Das war traurig!

Der Sonntag begann in Nidda schon vor 9 Uhr, auch wenn der erste Start erst für halb 10 angesetzt war.

Einschreibkontrolle
Einschreibkontrolle

Es waren die Junioren und Mädchen der U17, die vor dem Tisch mit der Einschreibliste standen. Jeder wollte der Erste sein, auch wenn der Vorstartbereich 100 Meter weiter hinter der Startlinie lag und alle gemeinsam dorthin vorzogen. Man kam sich vor wie bei den Rennpferden am Totalisator….

Das erste Rennen war auch das an jenem Tag längste.
Die U19-Junioren hatten 6 Runden zu je 22,8 Kilometer zu fahren. Das waren also 136,8 Kilometer auf einem Kurs, der 2011 schon einmal Landesverbands-Meisterschaften sah.
Ich hatte vom Veranstalter die Erlaubnis, auf den Kurs hinaus zu fahren. Nur so konnte eine bildhafte Dokumentation entstehen. Vor dem Start also die Aufkleber und das Presseschild fürs Auto abgeholt und montiert.

Üblicherweise garantiert das freie Durchfahrt. Doch an diesem heißen Tag sah mindestens ein Polizist das anders und meinte, selbst darüber bestimmen zu dürfen und die Akkreditierung diskutieren zu müssen. Es ist traurig zu sehen wie eigentlich mit den Rahmenbedingungen vertraute Personen versucht sind, eine solche Veranstaltung zu torpedieren. Erörtern muss man das nicht!

Vielleicht hat er sich daran gestört, dass ein Pressefahrzeug nicht eingereiht in der Kolonne gefahren ist, wie das die schreibenden Vertreter gewöhnlich tun. Das war hier auch gar nicht möglich.
Dazu sollte man wissen, was die Aufgabe eines Fotografen bei solchen Rennen ist.
Wer als Fotograf ein Rennen dokumentiert bleibt zum Start natürlich dort stehen, zumal an diesem Tag mit fünf Minuten Versatz noch das Rennen der U17w (Jugend weiblich) über drei Runden gestartet wurde. Man kommt dort also nicht mit der Kolonne weg, sondern darf nach dem Start erst mal zum Auto laufen, das aus Platzgründen auch nicht gerade hinter der Startlinie steht. So ist es ganz natürlich dass ein „Einzelfahrer“ nach dem Schlusswagen folgt, der auf das vergleichsweise langsam fahrende Rennfeld aufschliesst und diesem dann bis zum ersten vorher ausgesuchten Fotostandpunkt folgt. Das war in diesem Fall die 180-Grad-Kehre vor Blofeld. Dort kann man abwarten bis die beiden Rennfelder erneut vorbei kommen. Das Spiel beginnt dann von vorne. 9C6T4932In der zweiten Runde war das Feld noch geschlossen.

Nächster Fotostandpunkt war die Bahnunterführung von Ranstadt.AF1V3151Danach kommt man wieder zu Start und Ziel zurück. Nach oben erwähntem Vorfall habe ich auf weitere Bilder von der Strecke dankend verzichtet, das aber auch, weil die folgenden Rennen der jüngeren Klassen dafür etwas kurz waren.

Zur Klarstellung: Fotografen im Auto können ein Rennfeld unterwegs nicht überholen! In die Kolonne eingereiht können sie die ihnen zugedachte Aufgabe nicht erfüllen, denn man kann nicht zugleich fahren und fotografieren. Zumal wird man hinten in der Kolonne von dem eigentlichen Rennen wenig sehen. Sie fahren also, quasi wie die Fliegen um die Lampe, autark hinter dem Rennen her und suchen sich ihre Standpunkte für gute Fotos in der nächsten Runde.

Meine Bilder findet ihr wie gewohnt in der Bildersammlung.
Mehr Informationen finden sich auf der Webseite der Veranstaltung, die Ergebnislisten gibt´s bei Rad-net.

Als ob es noch nicht genug wäre geht der Reigen der Meisterschaften am kommenden Wochenende weiter, nämlich mit den Einzelzeitfahren der Junioren im brandenburgischen Luckau oder am Sonntag in Bruchsal mit der Meisterschaft Einer Straße der U23. Für mich wird es weniger reiseintensiv weitergehen, und zwar mit den beiden Tagen des Wiesbaden-Marathon. Am Samstag wird gelaufen, am Sonntag folgen die Radfahrer. Ort des Geschehens ist in Wiesbaden auf der Platte.

Ich hoffe auf brauchbare Bedingungen für gute Bilder.

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