Haibike-Festival Wombach

Viele Dinge im Sport sind wie Medaillen: Sie haben zwei Seiten.
Sportlich habe ich an diesem Wochenende eine sehr schöne Veranstaltung gesehen, fotografisch war es leider eher durchwachsen. Der Samstag war zufriedenstellend, der Sonntag reichlich suboptimal. Warum das so gewesen ist? Das lest ihr unter anderem hier.

Am Samstag wurde in der Altstadt von Lohr am Main die eine Hälfte des Rennwochenendes ausgetragen, der Eliminator.
Das ist etwas Einzigartiges! Auch das Fahrerlager befand sich in unmittelbarer Nähe von Start und Ziel. Wer die Gelegenheit dazu bekommt sollte es sich unbedingt einmal ansehen.AF1V8099

Was recht martialisch klingt ist es mitunter auch. Es beginnt je Rennklasse mit einem Einzelzeitfahren auf einem hier 500 Meter langen Stadtkurs auf Verbundsteinpflaster, auf dem weitere Hindernisse wie Schikanen aus Strohballen für Abwechslung sorgen. Mit diesem Zeitfahren, bei dem die Teilnehmer im Abstand von 30 Sekunden auf die Strecke geschickt wurden, wird die Reihenfolge im eigentlichen Wettbewerb ermittelt. In diesem starten zumeist vier Teilnehmer gegeneinander, wobei die zwei Sieger jeden Laufs weiterkommen. Achtel-, Viertel-, Halb-, Finale… Dann stehen die Gewinner fest.AF1V8016

Bis fast zum Ende hielt der Himmel seine Schleusen geschlossen. Leider hat es dann aber doch angefangen leicht zu regnen, was bei einer Mischung aus Pflaster, Staub und Wasser zu einer Version von „Spiel ohne Grenzen“ mutierte, und so manch einer fand sich im Zaun, auf dem Boden oder im Spital wieder. So manch aussichtsreicher Teilnehmer wurde hier seiner Chancen beraubt, oder konnte vom Missgeschick seiner Konkurrenten profitieren.
Gute Besserung den Gestürzten!

Hier sind ein paar (Vorschau-)Bilder der Siegerehrungen:

U15 weiblich
U15 weiblich
9C6T2348
U15 männlich
9C6T2352
U17 weiblich
U17 männlich
U17 männlich
Frauen
Frauen
Männer
Männer

Zumindest in den Nachwuchsklassen bestimmten die Resultate dieses Wettbewerbs die Startaufstellung am Sonntag mit. Da fanden dann oben auf dem Sportgelände bzw. im angrenzenden Wald auf einer gut gemachten Strecke die Crosscountry-Rennen statt. Der Kurs war nicht ohne. Natürliche Hindernisse, künstliche Brücken, Bachdurchfahrten, Drops, … So zogen sich die Starterfelder rasch auseinander.

Wie im anderen Artikel geschrieben hatte ich am Sonntag früh noch das Kriterium „Rund um den Petersweg“ in Mainz-Kastel, also bei mir quasi um die Ecke, besucht, und dort Aufnahmen vom Rennen der C-Klasse gemacht.
Ich kam also erst gegen Mittag in Wombach an.

Auf dem Weg zum Veranstaltungsgelände kamen mir zwei befreundete Fahrer entgegen, von denen ich auch die Information erhielt, aufzupassen. Die Streckenposten hätten Anweisung erhalten, die Fotografen am Gebrauch von Blitzlicht zu hindern.

Toll! Fotografie ist wie man weiss angewandte Physik, und ist daher auch den Naturgesetzen unterworfen. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Dazu habe ich auch schon etwas in diesem Artikel geschrieben und stehe zu meiner Aussage.
Eine Rückfrage beim Veranstalter brachte dazu folgende Antwort (Zitat):

„Blitzverbot bestand nur an dem Drop.
Im letzten Jahr beschwerten sich viele Sportler dass sie sich erschrecken beim Blitzlicht.
Im Interesse der Sportler haben wir dies in 2015 den Streckenposten angewiesen.“

Einerseits kann man sicher nachvollziehen, dass es bei unsachgemäßem Gebrauch des Blitzlichts vorkommen kann, dass sich Sportler gestört fühlen, andererseits fragen dieselben Fahrer dann später nach Bildern oder wundern sich wenn irgendwann keine Fotografen mehr zum Rennen kommen. So hat die Vergangenheit in langen Jahren gezeigt, dass viele die Folgen solcher Anordnungen nicht bedenken.
Wir erinnern uns? Es gab da mal vor langen Jahren eine Downhill-DM in Gammelsbach (das liegt im Odenwald), wo den Fotografen in gleicher Weise die Arbeit unmöglich gemacht worden war. Man hat sie vor die Wahl gestellt, das Blitzen einzustellen oder zu gehen!
Heute wissen wir, wie die Geschichte ausging. Die Leute sind gegangen, und kamen nie mehr wieder! Das war die komplette Presse, die an diesem heißen Tag im Schatten unter jenem Baum sass! Ich kann das sagen, ich war auch dabei und habe aus den gleichen Gründen seitdem kein Downhillrennen mehr ernsthaft besucht. Heute hat der Downhillsport keine Öffentlichkeit mehr.

Der Grund ist einfach, dass es für einen Fotografen, der nach seinen Bildergebnissen gemessen wird, sinnlos ist. Da steht einem nicht gerade kleinen Aufwand (Anreise, Übernachtung, Kosten für das Gerät, Zeitaufwand,etc) faktisch kein proportionales Ergebnis gegenüber. Ist der Fotograf auch noch Profi und muss von seinen Umsätzen leben, wird es endgültig fatal! Er kann dann, wenn auch aus Gründen, die er selbst kaum wird vertreten können, seine Auftraggeber nicht bedienen, und verliert womöglich für die Zukunft deren Aufträge. Er wird sich also ebenso anders orientieren (müssen).
Vor allem aber geht Vertrauen verloren. Niemand wird 100 Kilometer oder mehr zu einer Veranstaltung anreisen, bei der er erwarten muss, dass es ein Unterfangen ohne Aussicht auf Erfolg wird.

Es liegt absolut nicht in meinem Interesse, noch in dem jedes anderen mir bekannten Fotografen, einem Sportler zu schaden. Man muss aber auch verstehen, dass niemand Aufwand treiben wird, wenn er annehmen muss, dass man ihn auf halbem Weg ausbremst. Man sollte Wege finden, die Strecke so zu gestalten, dass das Problem nicht auftritt. Hätte die Info schon in der Ausschreibung gestanden, was fair gewesen wäre, mindestens ein Fotograf weniger wäre zu diesem Rennen gekommen!

So habe auch ich nach dieser Information, und der bald darauf folgenden Bestätigung durch das Verhalten mancher Ordner, beschlossen, das geplante Projekt verloren zu geben. So habe ich nur das gerade anstehende Rennen der Junioren, die zusammen mit den Senioren fuhren, von einer nahe gelegenen Lichtung am Waldrand aus beobachtet und das an Bildern gemacht, was dort möglich erschien.

Heute steht nicht nur der nächste Besuch dort in Frage, sondern der Besuch von MTB-Rennen überhaupt. Man muss jetzt leider überall damit rechnen, dass Veranstalter keine Bildberichterstatter bei ihren Veranstaltungen wünschen, diese aus welchen Gründen auch immer behindern oder gar wie auch schon geschehen ausgrenzen. Galt dies zuvor nur für den Downhill, so gilt es jetzt leider grundsätzlich.

Als Startplatz hat man sich die steilste Hühnerstiege ausgesucht, die man in weitem Umkreis hat finden können. AF1V8416So kam es schon auf den ersten Metern zu einigen Rempeleien.AF1V8496

Lokalmatador Maximilian Brandl, der für das Schwarzwälder Lexware-Team aus Kirchzarten fährt, gewann souverän mit einigem Vorsprung.

Sieger U19: Maximilian Brandl  RV Wombach, Team Lexware
Sieger U19: Maximilian Brandl
RV Wombach, Team Lexware

Weiteren Aufwand zu treiben erschien mir zu diesem Zeitpunkt, auch ob der enormen Enttäuschung, zwecklos. Der sportliche Aspekt tritt da recht schnell völlig in den Hintergrund, wenn die üblen Erlebnisse vergangener Rennen wieder hervortreten wie das schwelende Feuer eines Torfbrandes, sobald diesem Sauerstoff zugeführt wird.
Ein übriges tat der einsetzende Regen. Wenn man sich nirgends unterstellen kann, aber Gerät für etliche 1000 Euro unterm Arm hat, wird man sich auch bei einem Schauer dreimal überlegen, was man tut. Ein Wasserschaden wäre fatal, zumal wie gesagt dem keine Aussicht auf weitere gute Bilder gegenüber stand, die das Risiko wert gewesen wären. Also ab ins Auto, und nach Hause.

Die nächsten Wochen werden zeigen, ob es für die im nächsten Jahr dort anstehende Deutsche Meisterschaft eine Alternative gibt, vielleicht in Gestalt von einem Film.

Ergebnistabellen zum Rennwochenende findet ihr bei rad-net.de, meine Fotos sind in der Bildersammlung.