Keine Ahnung …

… von Ackerbau und Viehzucht?
Heute standen mit dem Kriterium „Rund um den Petersweg“ in Mainz-Kastel sowie dem MTB-Festival in Wombach, darin enthalten die Eröffnung der MTB-Bundesliga 2015, zwei interessante Veranstaltungen auf meinem Programm.

Ich hatte mir vorgenommen, in Mainz-Kastei mit der C-Klasse anzufangen, die gegen 8:45 Uhr startete. Vorweg, es war sehr schön nach dem Winter einige bekannte Gesichter wieder zu sehen!
Das Rennen ging über 50 Runden, alle 5 Runden waren Wertungen, dazwischen gab es einige Prämien.

Hätte ich zu diesem Zeitpunkt gewusst, was mich später in Wombach erwartet, ich hätte mir vermutlich den Weg gespart!

Damit meine ich nicht die sportliche Qualität der Veranstaltung, sondern das, was mit dem Phänomen der Könige für einen Tag gemeint ist.
Unter diesem Phänomen versteht man gemeinhin, wenn Leute von Dingen reden, von denen sie keine Ahnung haben, aber einmal in einer langen Zeit die Macht übertragen bekommen, um ungeachtet der Folgen ihren Willen durchzusetzen. Den Weisungen der Posten ist ja Folge zu leisten.
Ich war kaum angekommen und auf dem Weg zu Start und Ziel, da kamen mir zwei befreundete Fahrer entgegen. Unter anderem brachten sie mir auch die Information, die Streckenposten hätten Weisung, den Fotografen den Blitzlichteinsatz im Wald zu untersagen! Wer auch immer das schlussendlich verzapft hat, ob Veranstalter, Kommissär oder der Posten selbst – in letzter Konsequenz bedeutet das dass kaum brauchbare Bilder bei diesem Rennen zu erwarten waren!
Fotografen gebrauchen bei Rennen ja nicht das Blitzgerät, um die Fahrer zu ärgern! Das zusätzliche Licht dient auch nicht dazu, die Szene zu erleuchten. Es dient vor allem dazu, Kontraste zu steuern und das Licht zu modellieren.

Dazu muss man wissen: Chemische Filme ebenso wie fotografische Sensoren können nur einen bestimmten Kontrastumfang (Helligkeitswerte zwischen hell und dunkel) übertragen, genauso wie später die Druckerei einer Zeitung nicht beliebige Kontrastumfänge wiedergeben kann. Es ist also notwendig, das zu steuern, und dazu braucht es das Blitzlicht. Es ist die einzige mobile Lichtquelle, auf die der Fotograf unmittelbaren Einfluss hat.
Es erzähle mir da jetzt keiner, das könne man alles noch später am Rechner nachholen. Was an Tonwerten von Anfang an schon wegen Nachlässigkeiten oder Schlamperei bei der Aufnahme nicht da ist, kann auch nicht bearbeitet werden!
Sicher, manche werden jetzt sagen, das Blitzlicht blende die Fahrer. Fast alle Sportler, die ich diesbezüglich bislang dazu befragt habe, haben das aber verneint. Es kommt nicht darauf an, dass man es macht, sondern vielmehr, dass man es richtig macht. Natürlich blitzt man keinem Sportler aus nächster Nähe direkt in die Augen! Ein geübter Fotograf weiss das und kann sich danach richten. Er kennt seine Geräte und Techniken genauso gut wie ein Handwerksmeister sein Werkzeug. Es käme auch niemand auf die Idee dem Mechaniker Hammer, Feile und Säge wegzunehmen, und trotzdem professionelle Arbeit zu erwarten. Wer das dennoch tut darf sich nicht wundern, wenn der Handwerker ihm den Auftrag vor die Füsse wirft, oder er teuren Schrott bekommt!
Selbst ein geblitzter Schuss von hinten ist deutlich sichtbar, jeder Umstehende weiss sofort, dass fotografiert worden ist. Wer als Fahrer an einem Bundesligarennen teilnimmt sollte jedoch geübt genug sein, das zu kennen und sich nicht zu erschrecken.
Man sieht bei einem Gewitter den Blitz ja auch kilometerweit, auch wenn bei Wetterleuchten das zugehörige Gewitter gar nicht am Ort ist und man auch keinen Donner hört. Hier ist das kaum anders.

Eigentlich hätte ich von da her sofort umdrehen und wieder heim fahren können, ich habe mich jedoch entschieden zu bleiben und zumindest das Rennen der Junioren, die zusammen mit den Senioren ihre Runden drehten, zu verfolgen. Es gab da als Notlösung eine Stelle am Waldrand gleich neben dem Start, wo man ein Minimalprogramm an Bildern verwirklichen konnte. Schliesslich bin ich nicht fast 100 Kilometer zu diesem Bundesligarennen gefahren, um mit völlig leeren Händen nach Hause zu kommen!

Die eigentlich interessanten Stellen konnten so natürlich nicht umgesetzt werden. Dementsprechend kann ich damit auch nicht zufrieden  sein.

Später mehr.

Bilder zu Rund um den Petersweg in Mainz-Kastei sind online.
Bilder zum U19/Senioren1-Rennen in Wombach folgen voraussichtlich morgen.

Eine Antwort auf „Keine Ahnung …“

  1. Hallo Thomas,
    ich habe ja diesselbe Erfahrung in Wombach machen dürfen. Zu meinem Glück wurde mir das Blitzen erst untersagt, als ich an dem photographisch wichtigen / interessanten Drop schon drei Viertel des Feldes photographiert hatte.
    Natürlich ist es ein Unding, in einem Frühjahrswald mit seiner längst nicht geschlossenen Laubdecke ohne Blitz zu photographieren: zu unwägbar sind Lichtflecken und Schatten, zu matschig das Licht unter den Helmen.
    Nach einigen Gesprächen hat sich folgendes herauskristallisiert: es gab wohl im vergangenen Jahr mindestens einen Sturz eines lokalen U17-Fahrers an diesem Drop vor den Augen seiner Mutter. Ob der Blitz tatsächlich der Auslöser dafür war, sei dahingestellt. Hier kann ich mir schon vorstellen, dass ein junger Sportler sich erschreckt – für Profis in einem international ausgeschriebenen Rennen (und damit meine ich ab Junioren / U19) sollte das zumindest zum gewohnten Bild gehören, sie sollten das gewohnt sein, sollten wissen, dass man besser nicht in den Blitz sieht, sobald unmittelbar vor der Aufnahme automatische Messblitze ausgelöst werden. Und ein erfahrener Sportler weiß auch, dass eben genau an solch neuralgischen Stellen photographiert wird.
    Es gibt Situationen (die auch aktuell im Downhill wieder diskutiert werden), wo es möglicherweise Sinn macht, Blitzen zu untersagen: beim harten Kontrastwechsel, wenn die Fahrer aus dem direkten Sonnenlicht in einen extrem dunklen Wald fahren, wenn die Augen ohnehin schon Probleme haben, sich an diesen Kontrast- und Helligkeitswechsel zu gewöhnen und der Fahrer tatsächlich für einen Moment blind ist. Das wird dann natürlich tatsächlich möglicherweise durch einen Blitz verstärkt (Sabine Spitz kam so vor vielen Jahren mal bei einem Weltcup zum Sturz – aber das ist das einzige Mal, wo sich ein Sportler (außer bei abendlichen / nächtlichen Cross-Rennen) mal über Blitze beschwert hat. Aber so eine Situation gab es in Wombach definitiv nicht: der Laubwald war relativ lichtdurchflutet, der Eingang zum Drop war nicht wesentlich von heller als dahinter.
    Hier scheint mir der Veranstalter (und erst recht die Streckenposten) ein wenig über das Ziel hinausgeschossen zu sein.
    Und ich kann Deine Reaktion – vielleicht die einzig richtige – verstehen. Wie gesagt, ich hatte Glück (ich glaube nicht, dass es an meiner „Bekanntheit“ lag, sondern dass das Feld zu Beginn der zweiten Runde noch so weit geschlossen war, dass schon fast alles vorbei war, bis der Veranstalter persönlich eingriff). Und wie Markus Bauer richtig geschrieben hat: man konnte dort die geilsten Bilder machen (Action, angespannter Gesichtsausdruck, Zuschauer im Hintergrund) – aber halt ausschließlich mit Blitz. Es gab auch ein paar gute Locations außerhalb des Waldes – bei der Strecke, die aber zu 90 Prozent durch den lichten Laubwald führt, eher die langweiligeren …

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